Die Bücher meiner Leute - Familie Fröhlich

Familie Fröhlich; Die Bücher meiner Leute; live4happiness2day; bloggingforinspiration;

 

Die Bücher meiner Leute. Mein Herzensprojekt nimmt nach und nach Form an: Die ersten Gespräche sind geführt und langsam taste ich mich ans Gedankenfassen und Schreiben heran. Zum ersten Gespräch kam ein Kinderbuch auf den Tisch, das für Aufreger, angeregte Diskussionen und Selbsterkenntnisse sorgen kann...


Auf den ersten Blick

 

Viele fröhlich-bunte Bilder und eine pädagogisch etwas fragwürdige Geschichte, zumindest aus der Brille des 21. Jahrhunderts heraus betrachtet.

 

Worum geht’s?

 

Um Herrn und Frau Fröhlich – die beiden haben im Buch keine Vornamen –, ihre fünf Kinder Tom, Tina, Frank, Rita und Tim, und die Rollenverteilung im fröhlichen Familienleben.

Eines Tages kommt Frau Fröhlich mit einem kleinen Apfelbaum nach Hause. Sie pflanzt ihn in den Garten, hegt und pflegt ihn, erntet irgendwann die reifen Äpfel, um schließlich einen Apfelkuchen zu backen. Immer wieder fragt sie nach Hilfe, aber alle sind laufend beschäftigt, sodass sie mit der Arbeit allein bleibt. Bis der Kuchen auf dem Tisch steht und die Motivation bei allen Familienmitgliedern natürlich auf einmal ganz groß ist, beim Essen zu 'helfen'.

 

Was hat es in mir ausgelöst?

  • Auf den ersten Seiten: „Ach wie schön die Bilder, richtig Vintage, und alle sehen fröhlich aus…“ 
  • Mit jeder weiteren Seite: „Oh je, das kriegen meine Kinder bestimmt nicht zu lesen!“
  • Nach längerem Nachdenken: „Aber irgendwie auch spannend, mit welchen Werten wir aufgewachsen sind und wie sich das über die Jahre verändert hat.“ 

An sich ist 'Familie Fröhlich' ein schönes, buntes Kinderbuch: Bilder, auf denen jede Menge passiert und eine für Kinder unterhaltsam erzählte Geschichte. Diese allerdings hat schon nach wenigen Seiten meinen feministischen Gerechtigkeitssinn voll entflammt. Die Mutter macht alles und ist dabei stets fröhlich, der Vater schläft eigentlich die ganze Zeit oder sitzt vor dem Fernseher und die Kinder finden alle möglichen – teilweise abstrusen – Ausreden, um ja nicht helfen zu müssen. Dass sie sich fantasievoll um die Arbeit drücken, ist dabei für mich noch gar keinen Aufreger wert, mit etwas gutem Willen vielleicht sogar lustig. Allerdings beschwert sich über die mangelnde Hilfsbereitschaft auch keiner im Buch, im Gegenteil scheint das so ganz in Ordnung zu gehen. Und wie um die Rollenverteilung nochmal nachdrücklich klarzustellen ist immer wieder nur von 'Mutter Fröhlich' die Rede, während der Vater wenigstens ab und an auch mal 'Herr Fröhlich' heißt. 

 

Ganz klar, so oder so ähnlich sind wir früher tatsächlich aufgewachsen. Ob und wie viel wir als Kinder im Haushalt helfen mussten, war sicher von Familie zu Familie unterschiedlich. Aber dass der Haushalt die Domäne der Mütter war, das haben die meisten von uns so erlebt. Und so hat ein Buch wie 'Familie Fröhlich' in den meisten Familien wahrscheinlich nicht mal ein Stirnrunzeln hervorgerufen. Das ist heute ganz anders - und ganz unterschiedlich. Mich hat die kleine Geschichte so nachdenklich gemacht, dass ich gleich mit mehreren Freunden und Bekannten lebhafte Diskussionen über das Thema angezettelt habe. 

 

Mutter Fröhlich, einsames Arbeiten, aber dabei immer fröhlich...

...während Herr Fröhlich schläft, oder vorgibt, die Zeitung zu lesen...

'Familie Fröhlich' im Bücher-Gespräch

  

Als das Projekt losging, hatte ich mir mal eine Mindmap gebastelt mit verschiedenen Themen und Aspekten, die für die Bücher-Gespräche interessant sein könnten. Bei 'Familie Fröhlich' kam das nur wenig zum Tragen, aber trotzdem gab es unheimlich viel Spannendes zu diskutieren. Wie hat man die Elternrollen in der eigenen Familie erlebt? Was denkt man darüber? Wie hat sich das verändert? Woher kommt das? Wie will man selbst als Eltern sein? Welche Werte sind einem wichtig, welche will man weitergeben? Wieviel 'tradierte Ideen' stecken noch in einem selbst? Was bedeutet das? Welches Bild hat man überhaupt von Familie? 

  

Lauter Fragen, auf die wir alle unterschiedliche Antworten haben, die nicht immer leicht zu formulieren sind und mitunter mit widersprüchlichen Gefühlen und Wünschen ringen. Insbesondere auch, weil es wirklich persönlich wird, wenn es um Kindheitserinnerungen, Werte und Hoffnungen für die Zukunft geht. 

 

Es lohnt sich also, zweimal hinzusehen. Auch 'Aufreger' können inspirieren und Neues entdecken lassen. 

 

Familie Fröhlich; Die Bücher meiner Leute; live4happiness2day; bloggingforinspiration;
Familie Fröhlich (Sheila Lavelle, Nita Sowter; Original-Titel: Everybody said no; deutsche Ausgabe im Boje-Verlag; 1978)

 

Nachgedanke zur Übersetzung

 

Ich kenne das Original nicht, aber allein die Wahl des deutschen Titels spricht Bände über die gesellschaftlichen Normen und Wertvorstellungen Ende der Siebziger in Deutschland. 'Familie Fröhlich' setzt einen bestimmten Rahmen und Ton für die ganze Geschichte, noch bevor man das Buch aufklappt. 'Everybody said no' spiegelt einfach die Geschichte inhaltlich wider - wer weiß, ob nicht der Ton des Originals ebenfalls ein anderer ist.

 

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